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Interview von SUSANNE FURRER Patrick Stroppa ist ein Querdenker aus Leidenschaft. Und er nimmt dabei einiges in Kauf. Der Präsident der Tessiner Hanfproduzenten und -händler und Gründer der sozialkritischen Organisation <Progetto Green> sprach mit der <TZ> über seine Erfahrungen mit der Drogenpolitik und der Hoffnung auf eine menschlichere Gesellschaft. TZ: Ist es nicht widersprüchlich, sich gestrandeter Drogenabhängiger anzunehmen und gleichzeitig die Liberalisierung von Canabis zu fordern? Stroppa: Nein, denn Canabis gehört für uns in die gleiche Gruppe wie Alkohol und Tabak. Zwanzig Prozent der Bevölkerung lebt in Abhängigkeit zu irgendeiner Substanz. In diesem Sinne ist das Drogenproblem Ausdruck eines Leidensdrucks. TZ: Canabis gilt bis heute als Einstiegsdroge. Stroppa: Wir haben auf Luganos Piazza Dante eine Umfrage unter 50 Drogensüchtigen durchgeführt. Die Hälfte kam übers Ecstasy oder über Kokain zum Heroin. TZ: Was haben Sie denn dem Suchtproblem entgegenzusetzen? Stroppa: Wärme und zwischenmenschliche Beziehungen. Die ersten Kontakte knüpfen wir direkt in der Szene, damit die Süchtigen wissen, wo sie Hilfe bekommen. Wendet sich dann ein Abhängiger an uns, versuchen wir, ihm eine mindestens drei Monate dauernde medizinische Betreuung zukommen zu lassen, denn gewöhnlich entwickelt ein Süchtiger erst nach dieser Zeit eine Zukunftsperspektive. Wir helfen dem Betroffenen, ein soziales Netz zu knüpfen, wobei darauf geachtet werden muss, dass jeder Person die für sie geeignete Lösung angeboten wird. TZ: Wie finanzieren sie das Progetto Green? Stroppa: In fünf Jahren haben wir 250 000 Franken Eigenmittel ausgegeben; derzeit haben wir rund 90 000 Franken Schulden. Wir verzichten bewusst darauf, Zuschüsse vom Kanton oder von der Stadt zu beantragen, weil ich es unverantwortbar finde, die kommunale Drogenpolitik zu kritisieren und gleichzeitig öffentliche Gelder zu kassieren. Um das Projekt zu finanzieren, bin ich als Journalist tätig und stehe für Studientage und Vorträge über Jugendthemen zur Verfügung. TZ: Besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem Progretto Green und dem Kanton? Stroppa: Sagen wirs so. Vor allem im Sozial- und Gesundheitsdepartement treffe ich auf Menschen, die für unsere Anliegen ein offenes Ohr haben. Denn ich bin insbesondere mit dem Canabisbericht der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen einverstanden. TZ: Wie sieht die Zukunft aus? Stroppa: Ich hoffe, in den kommenden Wochen mit der Gemeinde eine Einigung zu finden. Wir planen, die Piazza Indipendenza das ganze Jahr hindurch zu nutzen. Dabei denke ich an einen Markt, auf dem Bioprodukte verkauft werden sowie an einen mobilen Kiosk der Solidarität. Ausserdem interessiert mich das San Carlino, auf dem ich kleinere Kulturanlässe durchführen möchte. Denkbar wären Blues- oder Jazzkonzerte oder eine Modenschau. Und natürlich sind wir immer noch auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Suzanne Furrer (Tessiner Zeitung 12.1.2002)
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